Sammlungen



Das Zoologische Museum Kiel besitzt wissenschaftlich sehr wertvolle, erst teilweise erschlossene Sammlungen aus drei Jahrhunderten, darunter Material international bedeutender Expeditionen des 19. Jahrhunderts (z.B. Galathea-Expedition 1845 – 1847, Möbius-Sammlung (um 1875), Deutsche Tiefsee-Expedition (1898 – 1899), Originalgeschenke von Kaiser Wilhelm II (1898 – 1908) und die sog. Terminfahrten 1902 – 1912 (weltweit erstmalige wissenschaftliche Beprobung von Nord- und Ostsee).
Insgesamt beherbergt das Museum derzeitig ca. 400.000 Objekte. Gegenwärtig werden diese Sammlungen neu erfasst und aufgestellt.

Ihre wissenschaftliche Bedeutung ist kaum zu überschätzen: Sammlungen stellen die Basis jeder taxonomisch-systematisch, ökologisch, und biogeographisch ausgerichteten Grundlagenforschung wie auch angewandter umweltrelevanter Forschung dar. Sie sind in ihren historischen, biologischen und kulturellen Bezügen ein wertvolles, häufig mit erheblichem Aufwand erworbenes Kulturgut, dessen dauerhafte Bewahrung und Pflege eine der wesentlichen Aufgaben des Museums ist.

Sammlungen stellen Archive des Lebens dar, die auf vielfältige wissenschaftliche Fragen Antworten geben können. In den Sammlungen wird die Dynamik des Wandels der Biosphäre dokumentiert, sie bewahren die Belege für eine Veränderung der Biodiversität, sei es durch Evolutionsprozesse erdgeschichtlich langer oder historisch kurzer Zeiträume, sei es durch Menschen gemachte Umgestaltung der Lebensräume.

So haben Sammlungen einerseits ökologische Archivfunktionen, indem sie bestimmte Situationen an einem Ort und zu einer bestimmten Zeit dokumentieren. Andererseits sind sie Archive für wissenschaftliche Konzepte und Identifikationen. Im Zentrum stehen dabei Artkonzepte und Artidentifikationen. Diese sind deshalb so wichtig, weil das ganze wissenschaftliche biologische System sich auf der eindeutigen Zuordnung von Individuen zu bestimmten Arten gründet. Es ist für viele Forschungsbereiche sehr wichtig, genau zu wissen, mit welcher Tierart gearbeitet wird. Um Eindeutigkeit bei der Artdetermination zu erreichen, werden bei der Beschreibung jeder Tierart auf der Erde so genannte Typusexemplare festgelegt, die in einem Museum hinterlegt werden.

Der Artname ist mit dem Typusexemplar untrennbar verbunden, unabhängig von taxonomischen Neuordnungen. Alle anderen Individuen, die derselben Art zugeordnet werden sollen, müssen an diesem „Urmeter“, dem Typusexemplar geeicht werden. Eindeutig identifizierbare Merkmale dieses Exemplares ermöglichen Vergleichbarkeit und Entwicklung von Konzepten. Nur unter Bezugnahme auf die zugrunde liegenden Sammlungsobjekte ist es möglich, frühere Aussagen in das heutige wissenschaftliche Koordinatensystem einzumessen.

Daher ist es eine zentrale Aufgabe des Museums, die Sammlungen durch hochqualifiziertes Personal zu pflegen und auf dem neuesten Stand zu halten.

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