Geschichte

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Seit seiner Gründung im 17. Jahrhundert ist das Museum mit seinen Sammlungen von bedeutenden Forscherpersönlichkeiten geprägt und gestaltet worden.

majorJohann Daniel Major
(1634 – 1693), war der erste Professor für Medizin der Kieler Universität. Angeregt durch seinen Studienaufenthalt an der Universität Padua gründete er 1674 ein Museum in Kiel, das »Museum Cimbricum«. Es war in die akademische Lehre eingebunden und Major veranstaltete öffentliche Führungen. 
Nach Majors Tod wurde die Sammlung für 60.000 Reichstaler von dessen Erben verkauft. Für die nächsten 80 Jahre musste die Universität ohne ein akademisches Museum dieser Art auskommen.

fabriciusJohann Christian Fabricius (1745 – 1808), bedeutender Insektenforscher und Schüler Carl v. Linnés, wurde 1775 auf einen Lehrstuhl für »Oeconomie, Cameralwissenschaften und Naturhistorie« in Kiel berufen. Er begann sofort, eine naturwissenschaftliche Sammlung aufzubauen und ein Museum einzurichten. Das Jahr 1775 wird damit zum offiziellen Gründungsdatum der Kieler Sammlung. Nach dem Tod von Fabricius erwarb die Universität seine weltberühmten Privatsammlungen, die das Kieler Museum über Nacht überregional bekannt machten.


wiedemannChristian Rudolf W. Wiedemann (1770 – 1840)
1805 wurde Wiedemann als erster ordentlicher Professor der Geburtshilfe nach Kiel berufen. Wiedemann hatte starke naturkundliche Interessen – Schwerpunkte waren neben Mineralien und Mollusken die Insekten. Seine Arbeiten über Dipteren (Fliegen) sind bis heute von Bedeutung. Von Wiedemann ist leider keine zeitgenössische Abbildung überliefert.


behnWilhelm Friedrich Georg Behn (1808 – 1878), Professor für Anatomie und Zoologie, übernimmt 1836 die Leitung der naturwissenschaftlichen Sammlungen. Unter seiner Leitung wird das naturhistorische in ein zoologisches Museum umgewandelt. Die stark vernachlässigten Sammlungen werden modernisiert und durch Ankäufe und Schenkungen erweitert. Der Umzug in den Warleberger Hof erfolgt 1839.
 Durch seine Teilnahme an der Weltumseglung der dänischen Korvette »Galathea« (1845 – 1847) bringt Behn unschätzbar wertvolles Material in das Kieler Museum ein, das die Kieler Bestände mehr als verdoppelt.


moebiusKarl August Möbius (1825 – 1908) wird 1868 auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Zoologie der Kieler Universität berufen. Seine Arbeiten und Konzeptionen sind entscheidend für die Weiterentwicklung des Zoologischen Museums. Durch seine Forschungen an Austernkolonien entwickelte er den Begriff der »Biocönose«, der heute ein zentraler Begriff der Ökologie und der modernen Evolutionsforschung ist. Seine Reise nach Mauritius (1874/75) brachte dem Museum neues, wissenschaftlich bis heute sehr wertvolles Material ein. Seine Sammlungen aus Nord- und Ostsee sind bis heute einzigartige Dokumente zum Klima- und Faunenwandel der nordeuropäischen Meeresküsten. Möbius wird einer der entscheidenden Begründer der Kieler Meeresforschung.
Möbius ist auch ein genialer Pädagoge – er entwickelt ein grundlegend neues Museumskonzept. In Zusammenarbeit mit den bekannten Berliner Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden entsteht erstmals ein Museum, das zwischen einer Schauhalle für die Wissenspräsentation und nicht öffentlichen Forschungssammlungen unterscheidet.
Auch Möbius Ausstellungskonzepte sind innovativ. Die Ausstellungen kombinieren einem systematischen Rahmen ergänzende anatomische, physiologische und tiergeographische Teilkonzeptionen. Licht- und Farbgebung spielen eine entscheidende Rolle.
1888 wird Möbius mit 63 Jahren zum Direktor des neu gegründeten Berliner Naturkundemuseums berufen.


hensenViktor Hensen
(1835 – 1924) war eine Ausnahmepersönlichkeit: Sowohl in der Medizin als auch in der Meeresbiologie hat er Bedeutendes geleistet und in beiden Disziplinen Forschungsrichtungen nachhaltig verändert. Hensen wurde 1868 mit 29 Jahren als Ordinarius für Physiologie an die medizinische Fakultät berufen. Drei Amtsperioden lang war er Rektor der Kieler Universität.
Meeresbiologisch interessierte er sich vor allem für die quantitative Erfassung der Fischbestände. Dabei gelangen ihm bahnbrechende Ergebnisse:

  • Erstmals konnte der Bestand mariner Nutzfische durch Zahlen belegt werden.
  • Die Entwicklung des »vertikalen Eiernetzes nach Hensen« zur Bestimmung der Fischeizahl in der Wassersäule markiert den Beginn der quantitativen Methodik in der Meereskunde.
  • Die Entdeckung der Möglichkeit der Altersbestimmung von Fischen anhand von Otolithen (»Gehörsteinchen« aus dem Fisch-Innenohr), die beim Wachsen Jahresring-Strukturen bilden

Im Eiernetz fand Hensen regelmäßig einen Beifang aus mikroskopisch kleinen Tieren und Pflanzen. Er erkannte die entscheidende Bedeutung dieser Lebewesen und prägte 1887 das Wort »Plankton«. Er entwickelte außerdem das bis heute bedeutende Planktonnetz.
Ein Höhepunkt seiner Planktonforschung war die Durchführung einer Schiffsexpedition der Alexander-von-Humboldt-Stiftung 1888/9 in den Atlantik, die sogenannte, »Plankton-Expedition«. Ihre Ergebnisse wurden durch die völlig neuen quantitativen Daten und die große Zahl neuer Arten zu einer Referenz in der Meeresforschung.
Als Mitglied des preußischen Landtages erreichte er 1870 die Einsetzung der »Commission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere«. Ab 1871 führte die Kommission Reisen mit dem Forschungsschiff »Pommerania« in die Ost- und Nordsee durch.


brandtKarl Brandt (1854 – 1931)
Seit April 1887 mit der Vertretung von Karl August Möbius beauftragt, wurde Brandt 1888 auf den Lehrstuhl für Zoologie an der Universität Kiel berufen und gleichzeitig zum Direktor des Zoologischen Instituts und Museums ernannt. 1888 nahm er an der Plankton-Expedition unter Leitung von Victor Hensen teil. Er beschäftigte sich besonders mit dem Stoffhaushalt des Meeres und konnte die Rolle der gelösten Stickstoff- und Phosphorverbindungen für das maritime Leben nachweisen.
1922 wurde Brandt emeritiert. Nach Hensens Tod übernahm er 1924 den Vorsitz der Preußischen wissenschaftlichen Kommission zur Untersuchung der deutschen Meere. 


buddenbrockFreiherr Wolfgang von Buddenbrock (1884 – 1964) wurde als Nachfolger von Karl Brandt 1923 auf den Lehrstuhl für Zoologie berufen. Als besonders guter Beobachter entdeckte er neue Lebensformen und trug insbesondere dazu bei, die Sinnesleistungen ganz unterschiedlicher Organismen besser zu verstehen. Er ist der Begründer der neueren vergleichenden Physiologie. Seine Hauptforschungsgebiete sind die vergleichende Physiologie, Atmungsphysiologie bei Insekten, Sinnesphysiologie der Mollusken. Seine Kieler Zeit wird 1936 abrupt durch einen Konflikt mit der nationalsozialistischen Partei mit einer Zwangsversetzung nach Halle beendet.


remaneAdolf Remane (1898 – 1976), einer der bedeutendsten Zoologen seiner Zeit, übernimmt kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Institut und Museum. Letzteres wird 1940 geschlossen, Sammlungen ausgelagert. Bomben treffen das Gebäude.

Nach Kriegsende baut Wolf Herre (1909 – 1997), späterer Direktor des Instituts für Haustierkunde, mit Kollegen und Studenten das Museum wieder so weit auf, daß am 8. August 1946 ein Teilbereich der Ausstellung wieder der Öffentlichkeit gezeigt werden kann – vor allen anderen Zoologischen Museen in Deutschland. Remane kehrt 1948 zurück. Nach dessen späteren Ausscheiden übernimmt erst Reinhart Schuster, dann Ernst Kullmann das Institut und mit ihm das Museum.


Ab 1968 leistet der spätere Akademische Direktor Peter Ohm die Museumsarbeit. In seiner Amtszeit werden trotz geringer Mittel mehrere Räume umgestaltet. 1988 übernimmt Wolfgang Dreyer die Leitung und renoviert das Haus grundlegend. In der Folgezeit werden Dauerausstellungen neu konzipiert und die wertvollen Sammlungen wissenschaftlich erfasst. Mitte der neunziger Jahre entsteht das »Zoologicum«, eine moderne Museumsschule mit bester optischer Ausstattung und reichhaltigem didaktischen Angebot. Ab 2007 erfolgt die digitale Umstellung der Sammlungen und der Anschluss an das Datenprogramm SeSam des Forschungsmuseums Senckenberg.

Eine Auswahl historischer Fotos:               

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